Wie der mexikanische Día de Muertos trotz Corona in Berlin und von überall gefeiert werden kann

Der Tag der Toten. Das klingt erst einmal sehr unerfreulich, düster und gar nicht nach feiern. In Mexiko ist dieser Tag aber etwas ganz Besonderes. Von uns gegangenen, geliebten Menschen wird gedacht, und zwar mit bunten Blumen, Girlanden, Kerzen, Fotos, Tequila, Pan de muerto („Totenbrot“) und Zuckertotenköpfen. Immer beliebter wird diese Tradition auch hierzulande und so können sich auch lokal die Zutaten finden lassen, um einen schönen Altar zu bauen und zu spüren, wie der Schleier zwischen den Welten, wie es heißt, für ein paar Tage dünner wird als sonst.

Día de Muertos-Dekoration in einem Geschäft in Tepoztlán, Mexiko

Der Día de Muertos ist in Mexiko kein Trauertag, sondern ein Volksfest zu Ehren der Toten, das am 2. November gefeiert wird und von der UNESCO im Jahr 2003 zum Immateriellen Weltkulturerbe erklärt wurde. Familien bauen zu Hause Altare auf, sogenannte Ofrendas, um den verstorbenen Angehörigen zu gedenken und ihnen den Weg aus dem Jenseits ins Diesseits zu weisen, wenn sie an diesem Tag „zu Besuch“ kommen. Denn in Mexiko heißt es, dass die Seelen der Toten in der Nacht vom 2. auf den 3. November auf die Welt zurückkommen. So strahlen orangefarbene Cempasúchil-Blumen (Studentenblumen) und Kerzen um die Wette. Zu den symbolträchtigen Komponenten auf dem Altar, wie der Cempasúchil, der Kerzen, der Zuckertotenköpfe und dem Pan de muerto („Totenbrot“) werden auch Dinge als Opfergabe aufgestellt, die der oder die Verstorbene gerne mochte. So lassen sich dort beispielsweise oft auch Zigaretten und Tequila finden. Der Tag der Toten war eigentlich nie eine Show für die Öffentlichkeit. Es ging darum zu Hause und auf Friedhöfen persönliche Ofrendas für diejenigen aufzustellen, die nicht mehr in der Welt der Lebenden verweilen. Es wird geweint, aber vor allem auch gelacht, in Erinnerungen geschwelgt, es wird musiziert, gegessen und getrunken.

Verkauf von Zuckertotenköpfen in San Cristóbal de las Casas
Blumenverkauf zum Día de Muertos in San Cristóbal de las Casa, Mexiko

Herkunft der Tradition

„Die Tradition des Día de Muertos geht auf die prähispanischen Kulturen Mexikos zurück. Bereits vor über 3000 Jahren feierten die Azteken, Mayas, Totonacas und Mexica ihre Toten, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Tradition basiert auf dem Glauben, dass die Seele nach dem Tod ihren Weg in die Welt der Toten fortsetzt, wo sie noch Utensilien und Nahrung braucht.

Die prähispanischen Bräuche und Traditionen wurden mit der Kolonisation durch die katholische Religion verändert. Später kamen auch moderne Einflüsse hinzu. So wurde die Tradition beisielsweise auf Grund der geografischen  Nähe zu den USA teilweise „halloweenisiert“. Jedoch haben es weder die katholische Religion noch Halloween geschafft, die ursprünglichen mexikanischen Bräuche zu verdrängen; vielmehr wurde die Festivität im Laufe der Zeit durch weitere Komponenten ergänzt. Erhalten geblieben ist dabei stets der Glaube, dass die Seelen der Verstorbenen am Tag der Toten auf die Erde zurückkehren“ (https://wmp.mx/dia-de-muertos-der-tag-der-toten-in-mexiko/).

Altar auf einem Platz in Mexiko Stadt

In den vergangenen Jahren wurde diese Tradition auch international immer bekannter. Nicht zuletzt durch den Disneyfilm Coco, als auch wegen des James Bond-Filmes Spectre, dessen Anfangsszene bei einem bunten Straßenumzug zum Tag der Toten in Mexiko Stadt spielt. Mit Tänzen, verkleideten Schaustellern und großen Pappmaché-Figuren . Typisch ist dabei die Verkleidung als Catrina, die auch hierzulande als Kostüm zu Halloweenpartys immer beliebter wurde und mittlerweile schon zum gängigen Verkleidungs-Repertoire dazu gehört. Das Wort „Catrin“ war im Spanischen ein Ausdruck für einen eleganten, chic gekleideten Mann, der von einer feinen Dame begleitet wird. Jene bezeichnet man auch als Catrina. 

„Zurückzuführen ist das Symbol auf einen Kupferstich, dessen Titel „La Calavera Garbancera“ lautet und vom mexikanischen Künstler José Guadalupe Posada stammt. Auf jenem ist ein weibliches Skelett zu sehen, welches ausschließlich einen prachtvollen Hut trägt. Dies war eine kritische Anspielung auf die mexikanische Oberschicht, die sich zunehmend als Europäer aus Ländern wie Frankreich oder Spanien ausgaben. Dadurch wollten sie ihre Herkunft und Kultur leugnen. Posada versuchte damit die Situation in Mexiko darzustellen und die Oberschicht zu verspotten. Der Kupferstich entstand zu einer Zeit, in der Porfirio Díaz das Land regierte. Zu dieser Zeit gab es sogenannte „periódicos de combate“. Zeitungen, die sich kritisch der Regierung gegenüber aufstellten.

In solch einer Zeitung war La Catrina zum ersten Mal zu sehen und wurde damit bekannt und populär. Später wurden weitere Veröffentlichungen gemacht, die Bilder von Skeletten mit eleganten Kleidern zeigten. Auf den Werken waren sie zu sehen, wie sie Pulque (ein Agavenwein) tranken und Parties feierten oder Veranstaltungen der gehobenen Gesellschaft besuchten. Der Wandmaler Diego Rivera war er es, der den Catrinas die charakteristische Kleidung mit Sombrero und hübschen Gewändern gab. Zu sehen sind sie auf seiner berühmten Wandmalerei namens „Sueño de una tarde dominical en la Alameda Central“. Ebenso gab er ihnen den Namen Catrinas“ (https://mexicorazon.de/la-catrina/).

Aufgrund der vielen Anfragen nach dem Kinofilm Spectre, wurde ein derartiger Umzug damals tatsächlich für die kommenden Jahre in Mexiko Stadt ins Leben gerufen und ist seitdem Bestandteil der Feierlichkeiten zum Tag der Toten in Mexiko Stadt (siehe http://www.filmstarts.de/nachrichten/18508183.html). Als populärstes Touristenziel für die Festivitäten des Día de Muertos gilt die Stadt  Pátzcuaro im Bundesstaat Michoacán. Neben Mexiko Stadt ist auch der Bundesstaat Oaxaca ein begehrtes Ziel.

Eine Catrina aus Pappmaché in Mexiko Stadt

Dieses Jahr ist wegen Covid 19 natürlich alles anders und die Tradition findet innerhalb der Familien, in privaten Haushalten und virtuell statt. So rief die Regierung in Mexiko Stadt die Aktion „Ofrenda Infinita“ ins Leben, bei der Fotos von dekorierten Altären hochgeladen werden können und für alle sichtbar sind. Wenn ihr HIER klickt, gelangt ihr zu der Webseite und könnt die Altäre bestaunen.

Tag der Toten 2020 in Berlin

Auch hier in Berlin findet normalerweise jährlich die Veranstaltung in Präsenz zum Día de Muertos, organisiert vom Verein Calaca.e.V., statt. Dieses Jahr könnt ihr digital dabei sein und bis zum „Ofrenda Countdown“ am 1. November werden euch täglich Tipps zur Erstellung eures Altars gegeben und erläutert, welche Bedeutung die Elemente darauf genau haben. HIER gelangt ihr zu der Seite.

Und vielleicht gehört ihr auch zu den Glücklichen, die noch bei CINTLI Berlin oder bei Chili und Paprika ein Pan de muerto ergattern konnten. Mein Freund war nur mäßig begeistert als ich ihn mit dem Kauf beauftragte und er eine Stunde lang anstehen musste: Aber es hat sich gelohnt! Natürlich könnt ihr das Brot auch einfach selbst backen. Es wird aus Hefeteig gemacht und am Ende mit Zucker bestreut. Die Teigstränge darauf sollen übrigens an Knochen erinnern! HIER findet ihr ein Rezept dafür auf Englisch. Und falls ihr live sehen möchtet, wie dieses Brot hergestellt wird, schaut heute (1.November) um 19 Uhr auf Instagram bei Elena von Latinita vorbei. HIER findet ihr sie auf Instagram. Zusätzlich wird sie am 6. November ein Live-Koch-Spezial zum Tag der Toten geben, wo ihr weiteren Geschichten zu dieser besonderen Zeit lauschen könnt und zusammen Tacos zubereitet. HIER findet ihr weitere Informationen dazu.

Pan de muerto, Papel picado, Kerzen, Wasser, Blech-Anhänger und als Alternative zu Cempasúchil Herbstastern 🙂
Persönlicher Altar in Mexiko

Und wenn ihr euch zu Hause auch mexikanisch einrichten möchtet, gibt es zum Beispiel im Shop O.K. in Berlin Mitte Papel picado-Girlanden, mexikanische Keramik, Blech-Anhänger, Kerzen, bunte Deko-Totenköpfe und sogar Luchadores-Masken!

Deko-Totenköpfe und Schreine im Laden O.K. in Berlin

Weitere Altar-Dekoration, Zuckertotenköpfe und vieles mehr könnt ihr auch bei dem Online-Shop Sugarskull bestellen.

Und noch mehr inhaltlichen Input (auf Englisch) könnt ihr gerade auf dem Blog von BeLatina News zu dem Thema finden, wie der Tag der Toten auf eine bewusste und respektvolle Art gefeiert werden kann. So schreibt die Autorin des Artikels, Ana María Enciso:

„A way to start celebrating Día de los Muertos is to ask a friend or family member who already does. Whether he/she is Mexican or not, listen. Try to grasp what elements you can take to honor the loved ones you have lost; remember them at their best, and bring back the joy of the love they gave you“(https://belatina.com/ways-to-celebrate-dia-de-los-muertos/).

Habt einen schönen Día de Muertos!

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